Sprache wählen
Home / Über uns / Hintergrund
Hintergrund

Erfolgreichere Medikamenten-Entwicklung

Ein neues Medikament zu entwickeln ist eine kostspielige Angelegenheit. Ein Medikament auf den Markt zu bringen dauert im Durchschnitt mehr als zehn Jahre und kostet mindestens eine Milliarde Dollar. Ein wichtiger Grund für die enormen Kosten ist, dass viele Wirkstoffe erst spät in der Entwicklung scheitern, rund die Hälfte sogar erst in der letzten klinischen Testphase. Und die Durchfallraten steigen weiter an, wie eine Analyse des Centre for Medicines Research in Großbritannien ergab. Die Hauptgründe für das Scheitern sind mangelhafte Wirksamkeit und Sicherheit (Nature, vol. 477, 526-528).

 

               

 

In den 90er Jahren waren große Erwartungen in die Kombination aus High Throughput Screening (HTS) und kombinatorische Chemie gesetzt worden. Die Pharmafirmen investierten in vollautomatisierte Roboter-Straßen, um immer größere Substanzbibliotheken in immer kürzerer Zeit durchzutesten. Die schiere Masse an chemisch synthetisierbaren Testsubstanzen sollte die Suche nach neuen Wirkstoffen revolutionieren. Die Erwartungen waren so hochgeschraubt, dass sie nur enttäuscht werden konnten. So titelte das Wall Street Journal am 24.2.2004  „Drug Industry’s Big Push Into Technology Falls Short“. Obwohl die Ausgaben der Pharmaindustrie für teure Technologien in der Forschung kontinuierlich anstiegen, war die Zahl neu zugelassener Medikamente gesunken.

 

Die Kombination macht’s: Chemie, Biologie und Robotik

Die Chemical & Engineering News (Vol. 82, 23-32) zitierte einen Pharma-Manager mit der Einsicht: „Pharma has gone through periods of thinking chemistry is all-important, or biology is all-important, or robots are all-important. They are coming to realize that you need a mixture of all of them. You need to have both the chemistry and the biology to know what’s going on…This isn’t a numbers game, and you really have to understand what you are doing.” Seitdem ist der Drug Discovery Prozess im Wandel. Die Zusammenarbeit von Pharmaindustrie mit kleineren Partnern erweist sich als besonders erfolgreich (Nature Reviews Drug Discovery 7, 197-198).

 

Diesen Erkenntnissen wird im Austrian Drug Screening Institute ADSI in Innsbruck perfekt Rechnung getragen, sowohl in der Struktur als Public Private Partnership als auch in der wissenschaftlichen Ausrichtung. Im ADSI wird die zellbiologische Expertise mit der analytisch-chemischen kombiniert. Robotik und Automatisierung werden mit Augenmaß eingesetzt bei maximalem Informationsgewinn aus dem einzelnen Assay. Beim High Content Screening (HCS) geht es mehr um Qualität der Ergebnisse als um Masse. Der Durchsatz beim HCS ist zwar geringer als beim HTS, aber der Einsatz modernster Imaging Methoden macht das Ergebnis umso reichhaltiger. Dabei werden Tausende Zellen gleichzeitig "mit automatischen Augen beobachtet" und maschinell kontrolliert "wie kleine Patienten behandelt". Das im ADSI durchgeführte High Content Screening soll der Pharmaindustrie helfen, die richtigen Kandidaten auszuwählen, für die sich eine weitere Entwicklung wirklich lohnt, um die Durchfallrate in der Medikamenten-Entwicklung und damit die Kosten zu senken. Zudem tragen die im ADSI entwickelten Toxizitätstests dazu bei, Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen.

 

ADSI setzt zum einen darauf, bessere Assays zu entwickeln, die die zu untersuchenden Krankheiten möglichst realistisch abbilden und klinisch relevantere Testergebnisse ergeben. Zum anderen sind die im ADSI vorhandenen Technologien nicht nur in der Lage, chemisch-synthetische Wirkstoffentwicklung voranzutreiben, sondern auch die Entwicklung von Pflanzen-Extrakten für eine wirksamere und schonendere Behandlung komplexer Erkrankungen.